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Diagnostik

Wie sind die Blutwerte? Diabetes-Diagnostik und -Kontrolle im Labor

Diabetes-Diagnostik und -Einteilung

Erste Hinweise auf einen Diabetes mellitus können ein vermehrtes Durstgefühl, häufiges Wasserlassen, immer wiederkehrende Infektionen (z.B. Harnwegsinfekt, Pilzinfektionen im Genitalbereich etc.) oder die ungewollte Gewichtsabnahme (bei Diabetes mellitus Typ 1) usw. sein. Überschreitet der Blutzucker nüchtern oder nach dem Essen eine bestimmte Grenze, kann die Diagnose recht schnell gestellt werden. In nicht eindeutigen Fällen, insbesondere wenn Risikofaktoren wie Übergewicht, Bluthochdruck oder erhöhte Cholesterinwerte vorliegen, muss allerdings ein sog. Zuckerbelastungstest (oraler Glucostetoleranztest, oGTT) durchgeführt werden.

Zuckerbelastungstest

Bei einem Zuckerbelastungstest (Glucosetoleranztest) wird nach 12-stündiger Nahrungskarenz (d.h. die letzte Mahlzeit sollte am Vorabend spätestens um 19:00 Uhr erfolgen) morgens nüchtern in der Praxis 75g Zucker in einem Glas Wasser gelöst getrunken. Dabei erfolgen Blutzuckerbestimmung nüchtern, nach 60 Minuten sowie nach 120 Minuten. Während dieser Zeit dürfen keine größeren körperlichen Aktivitäten erfolgen.

Die Blutzuckerbestimmung muss mit speziellen Geräten erfolgen. Die üblichen, im Handel erhältlichen Blutzuckermessgeräte (mit den dazugehörigen Teststreifen) sind hierfür nicht zugelassen und auch nicht geeignet!

Anhand genau festgelegter Grenzwerte lässt sich die Verdachtsdiagnose Diabetes bestätigen oder ausschließen. Wichtig für die Therapie ist die Unterscheidung zwischen Typ-1- und Typ-2-Diabetes. Dies gelingt in der Regel leicht, da Typ-1-Diabetiker (früher „jugendlicher Diabetes“ genannt) schlank, in der Tat meist jünger sind und relativ rasch eine Insulintherapie benötigen.

Patienten mit Typ-2-Diabetes (früher verharmlosend „ein bisschen Alterszucker“ genannt) sind dagegen meist übergewichtig und leiden häufig begleitend noch an Bluthochdruck und erhöhten Cholesterinwerten. Wenn diese Begleiterkrankungen beim Diabetes mellitus Typ 2 zusätzlich vorliegen, sprechen wir von einem Metabolischen Syndrom.

Meist finden sich beim Diabetes mellitus Typ 2 auch Familienangehörige mit dieser Diagnose.

Ursache des Typ-1-Diabetes ist eine Fehlreaktion des Immunsystems, bei der durch sog. Antikörper die insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) im Laufe der Zeit zerstört werden. Insulin ist ein Hormon und bewirkt, dass die im Blut zirkulierende Glucose (Blutzucker) in die Körperzellen aufgenommen wird.

Beim Typ-1-Diabetes besteht immer ein absoluter Insulinmangel. Deshalb muss Insulin von außen zugeführt werden. Leider ist dies derzeit nur mittels Spritzen in das Unterhautfettgewebe möglich. Mit der Nahrung zugeführtes Insulin würde bereits im Magen zerstört werden. Nicht bewährt hat sich in den letzten Jahren das inhalierbare Insulin, so dass dieses zwischenzeitlich nicht mehr zur Verfügung steht.

Da ein Diabetes mellitus Typ 1 auch bei älteren Erwachsenen auftreten kann (meist sind diese Patienten auch schlank), sollte der Begriff „jugendlicher Diabetes“ nicht mehr verwendet werden.

Beim Typ-2-Diabetes ist die Situation grundlegend anders:

Ursache ist bei Typ-2-Diabetes insbesondere eine sogenannte Insulinresistenz, bei der das vorhandene Insulin seine blutzuckersenkende Wirkung nur ungenügend entfaltet, weil die Körperzellen sozusagen resistent gegen Insulin geworden sind. In der Folge ist die Bauchspeicheldrüse gezwungen, immer mehr Insulin herzustellen, um die Insulinresistenz der Körperzellen zu überwinden. Im Laufe der Zeit wird die „Fabrik Bauchspeicheldrüse“ jedoch überlastet, was ebenfalls zur Zerstörung der insulinproduzierenden Zellen führt und damit in einem absoluten Insulinmangel enden kann (insbesondere wenn weiterhin Übergewicht und Bewegungsmangel bestehen).

Im Gegensatz zum Typ-1-Diabetes besteht beim Typ-2-Diabetes anfänglich also nur ein relativer Insulinmangel. Insulin liegt im Überschuss vor, aber es kann seine Wirkung nicht mehr ausreichend entfalten. Diese Insulinresistenz ist meist vererbt. In der Regel müssen aber noch äußere Einflüsse bzw. Umweltfaktoren hinzukommen, bevor die Blutzuckerwerte ansteigen. Insbesondere Übergewicht, Bewegungsmangel und falsche Ernährung haben einen ungünstigen Einfluss, so dass der Typ-2-Diabetes durchaus auch als Wohlstandssyndrom bezeichnet werden kann.

Da Insulin aber auch noch andere wichtige Stoffwechselfunktionen hat, geht der Typ-2-Diabetes häufig mit anderen Erkrankungen einher. Meist bestehen noch eine Fettstoffwechselstörung (erhöhtes Cholesterin), ein erhöhter Harnsäurespiegel (der zur Gicht führen kann) sowie ein Bluthochdruck (arterielle Hypertonie). Treten diese Erkrankungen zusammen auf - was in der Tat meist der Fall ist - sprechen wir auch von einem Metabolischen Syndrom.

Hauptproblem bei dieser Erkrankung sind die daraus entstehenden Folgeerkrankungen.

Als Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes) wird eine erstmals im Laufe einer Schwangerschaft auftretende Zuckerstoffwechselstörung mit erhöhten Blutzuckerwerten bezeichnet.

Die Diagnose eines Schwangerschaftsdiabetes ist insbesondere für das Kind wichtig, da ein nur unzureichend behandelter Schwangerschaftsdiabetes zu Komplikationen während und nach der Geburt führen kann (Frühgeburten, Unterzuckerungen des Babys nach der Geburt etc.).

Medizinische Fachgesellschaften empfehlen deshalb, dass generell in jeder Schwangerschaft in der 24. bis 28. Schwangerschaftswoche (bei dringendem Verdacht auf Diabetes auch schon früher) ein Zuckerbelastungstest durchgeführt wird. Der Test ist 2012 in die Mutterschaftsrichtlinien aufgenommen worden und somit eine Leistung der Gesetzlichen Krankenkassen.

Leider wird diese Diagnose immer noch zu wenig gestellt, unter anderem auch weil die betroffenen Frauen meist keine Beschwerden haben.