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Struma

Eine ausgeprägte Struma (= Kropf) kann sich wie ein Kloß im Hals anfühlen

Struma

Im Volksmund ist der „Kropf“ ein geläufiger Begriff. Was sich wirklich dahinter verbirgt, wissen nur wenige. Dabei haben rund ein Drittel aller erwachsenen Deutschen eine vergrößerte Schilddrüse. Die häufigste Ursache hierfür ist Jodmangel. Die Prävention ist denkbar einfach, die Langzeitfolgen eines Kropfes sind dagegen erheblich.

Streng genommen bezeichnet Struma, der medizinische Begriff für einen Kropf, keine Erkrankung, sondern das Symptom einer vergrößerten Schilddrüse. Dabei ist entweder die gesamte Schilddrüse größer als normal (diffuse Vergrößerung), oder es bilden sich ein bis mehrere Knoten in der Schilddrüse.

Die Veränderung der Schilddrüse beginnt unsichtbar und bleibt lange kaum merklich. Die Devise „wo man nichts sieht, da ist auch kein Kropf“ ist völlig falsch. Eine Struma ist mehr als ein Schönheitsfehler: Sie sollte möglichst früh behandelt werden, um Folgeschäden zu vermeiden.

Struma: Wo liegen die Ursachen?

Fast jede Schilddrüsenerkrankung kann zu einer Vergrößerung der Schilddrüse führen. Aber in den weitaus meisten Fällen entsteht die Vergrößerung durch einen Jodmangel.

Jod ist ein wichtiger Baustein bei der Produktion lebenswichtiger Hormone in der Schilddrüse. Bei Jodmangel hilft sich der menschliche Körper selber: Die Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) registriert die verminderte Hormonproduktion der Schilddrüse und greift selbsttätig mit dem Regelungshormon TSH ein.

Mit diesem TSH kann die Schilddrüse das vorhandene Jod besser verwerten. Deswegen haben viele Struma-Patienten eine ganz normale Hormonproduktion und vordergründig keine Beschwerden. Aber TSH regt auch das Wachstum der Schilddrüse an. Deswegen führt der Jodmangel zur Struma-Bildung.

Wie erkenne ich eine Struma?

Von einer geringen Vergrößerung der Schilddrüse spürt man leider gar nichts. Je weiter die Schilddrüse wächst, desto häufiger kommt es jedoch zu Druck-, Enge- oder Kloßgefühl, Schluckbeschwerden oder Luftnot bei Belastung oder in Abhängigkeit von der Position des Kopfes.

Im fortgeschrittenen Stadium kann eine vergrößerte Schilddrüse Luft- und Speiseröhre zur Seite drängen oder Druck auf Venen und Arterien im Hals ausüben.

Eine vergrößerte Schilddrüse bei gleichzeitig normaler Hormonproduktion ist die häufigste hormonelle Erkrankung in Deutschland: Etwa 33% der Deutschen haben einen Kropf und fast 9% Knoten in der Schilddrüse. Frauen sind etwa 4- bis 5-mal häufiger betroffen als Männer.

Was tut mein Arzt?

Die Wahrscheinlichkeit spricht dafür, dass die Schilddrüsenvergrößerung auf einem Jodmangel beruht. Trotzdem muss Ihr Arzt andere Ursachen ausschließen:

Nach der Anamnese, der Aufnahme Ihres Krankheitsverlaufs und eventueller Vorbeschwerden, wird die Schilddrüse zunächst durch Tasten geprüft. In der Regel folgt eine Ultraschalluntersuchung, um Gewebeveränderungen festzustellen und das genaue Volumen zu bestimmen.

Mit der anschließenden Analyse der Schilddrüsenhormone T3 und T4 sowie des TSH-Wertes im Blut werden andere Ursachen als ein Jodmangel für die Schilddrüsenvergrößerung ausgeschlossen. Eventuell ist zusätzlich eine Szintigraphie notwendig, also eine spezielle nuklearmedizinische Untersuchung der Schilddrüse.

Wie wird behandelt?

Die Behandlung soll eine dauerhaft ausreichende Jodversorgung sicherstellen und das Volumen der Schilddrüse möglichst reduzieren. Dieses „Schrumpfen“ der Schilddrüse funktioniert aber nur eingeschränkt. Je länger die Struma bestanden hat, desto geringer sind die Aussichten auf Erfolg. Deswegen sollte eine Struma, gerade in jungen Jahren, immer möglichst schnell und umfassend behandelt werden.

Junge Patienten bis zur Pubertät werden ausschließlich mit einem Jodpräparat behandelt. An eine erhöhte Dosis in der Regel über ein Jahr schließt sich eine dauerhafte Jod-Prophylaxe an.

Ab der Pubertät sollte Jod kombiniert mit dem Hormon Thyroxin (T4) verabreicht werden. Nach einem Jahr Behandlung mit dieser Kombinationstherapie schließt sich eine reine Jod-Prophylaxe an. Hat diese Behandlung langfristig keinen Erfolg, muss eventuell – insbeson­dere bei sehr großen Schilddrüsen – eine Radio­jodtherapie oder eine Schilddrüsen­operation ins Auge gefasst werden.

Wie kann ich vorbeugen?

Eben weil das Wachstum der Schilddrüse „lautlos“ beginnt, hat die Prävention so hohe Bedeutung. Die beste Vorsorge ist dabei eine jodhaltige Ernährung. Der Richtwert für Erwachsene liegt bei 180-200 µg/Tag. Kinder sollten 100-140 µg/Tag zu sich nehmen.

Besonders jodhaltig sind zum Beispiel Seefisch und Krustentiere. Roggen hat den höchsten Jod-Anteil der Getreide und Rindfleisch hat mehr Jod als andere Fleischsorten. Spinat ist das Jod-Vorzeigegemüse, ein Ei deckt schon 5% des täglichen Jodbedarfs und auch Milchprodukte können beitragen. Obst hingegen enthält relativ wenig Jod. In unserer Jod-Tabelle finden Sie weiterführende Angaben.

Die Jodaufnahme der Gesamtbevölkerung hat sich seit 1975 durch die Verwendung von jodiertem Speisesalz zum Beispiel bei der Tierfütterung oder bei der Herstellung von Back- und Wurstwaren fast verdoppelt. Schulkinder haben heute weitgehend gesunde Schilddrüsen und Neugeborene kommen nur noch sehr selten mit einem Kropf zur Welt.

Trotzdem nimmt noch immer jeder dritte Erwachsene zu wenig Jod auf. Über 100.000 Schilddrüsenoperationen und etwa 35.000 Bestrahlungstherapien pro Jahr gehen auf Jodmangel zurück. Einen Mangel, der sich durch die richtige Ernährung leicht beseitigen lässt.