A A A

Insulin per Inhalator

Das inhalierbare Insulin wird von den Lungenbläschen aufgenommen

Die US-Arzneimittelzulassungsbehörde FDA hat im Juni für den amerikanischen Markt das inhalierbare Insulinpräparat Afrezza für die Therapie von Typ-1- und Typ-2-Diabetes bei Erwachsenen zugelassen. Das Insulinmittel in Pulverform wird über einen Inhalator von der Lunge aufgenommen und gelangt über die Lungenbläschen in den Blutkreislauf. Die blutzuckersenkende Wirkung setzt nach etwa 12 bis 15 Minuten ein und hält bis zu 180 Minuten an.

Afrezza ist eine Entwicklung des US-Biopharma-Unternehmens MannKind und soll im ersten Quartal 2015 in den USA auf den Markt kommen. Laut „Pharmazeutische Zeitung online“ werde bereits über einen Zulassungsantrag für Europa nachgedacht. Für die Weiterentwicklung und Vermarktung von Afrezza hat MannKind eine Kooperation mit dem französischen Pharmakonzern Sanofi vereinbart.

Ein inhalierbares Insulinpräparat wie Afrezza würde insulinpflichtigen Diabetes-Patienten eine Reduzierung der täglichen Injektionen ermöglichen. Komplett ersetzen könnte es das Spritzen von Insulin bei Typ-1-Diabetikern jedoch nicht, denn zumindest das langwirksame Insulin müsste auch weiterhin injiziert werden.

Ob Afrezza in Europa in absehbarer Zeit auf den Markt kommen wird, ist jetzt noch nicht absehbar. Ohnehin sind noch viele Diabetes-Patienten dieser Therapieform gegenüber skeptisch, wie ein Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit zeigt: Exubera, ein inhalierbares Humaninsulin der Firma Pfizer, wurde nach relativ kurzer Zeit wieder vom Markt genommen. Die offizielle Begründung lautete „Unwirtschaftlichkeit“.

Zudem darf nicht verschwiegen werden, dass ein inhalierbares Insulinpräparat im Vergleich zur Injektion zusätzliche gesundheitliche Risiken bergen könnte, die derzeit noch erforscht werden. Dazu gehören ein potenziell erhöhtes Lungenkrebs-Risiko und eine eventuell erhöhte Gefahr von Lungenembolien bei der Langzeit-Anwendung.