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Schwerbehindertenausweis bei Diabetes?

Schwerbehindertenausweis bei Diabetes?

Dass sich eine fortgeschrittene Diabetes-Erkrankung nicht nur auf Körper und Psyche, sondern auch erheblich auf den beruflichen und privaten Alltag auswirken kann, das ist allgemein bekannt. Doch ist eine Diabetes-Patientin bzw. ein Diabetes-Patient deshalb auch automatisch als schwerbehindert einzustufen? Das Bundessozialgericht beantwortet diese Frage mit einem klaren Nein.

Generell wird in Deutschland der Grad einer vorliegenden Behinderung mittels einer Skala von 0 bis 100 eingestuft. Einen Schwerbehindertenausweis kann man ab einem festgestellten Grad von 50 erhalten. Laut Bundessozialgericht sei diese Einstufung aber allein durch einen hohen Therapieaufwand, wie er bei Diabetes etwa durch Blutzuckermessungen und Insulin-Injektionen entstehen kann, nicht zu begründen. Darüber hinaus müsse der Patient wegen seiner Erkrankung auch insgesamt erheblich in seiner Lebensführung beeinträchtigt sein. Ob das bei einem Diabetes-Patienten tatsächlich zutrifft, muss demzufolge im Einzelfall betrachtet und bewertet werden.

Rechtsanwalt Oliver Ebert, selbst Typ-1-Diabetiker, schreibt im Diabetes-Journal, dass somit Diabetiker, die ihre Erkrankung gut im Griff haben, kaum eine Chance hätten, einen Schwerbehindertenausweis zu erhalten. Doch wenn man sich vor Augen führt, dass ein solcher Ausweis für den Besitzer nicht nur Vorteile (z.B. Zusatzurlaub), sondern auch Nachteile haben kann (z.B. bei der Jobsuche), muss die Beantragung ohnehin gut überlegt sein. Ganz entscheidend ist dabei die Frage: Hätte ein Schwerbehindertenausweis für mich als Diabetiker wichtige Vorteile, die mir das Leben erleichtern können?


Foto: connel / shutterstock.com