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Zucker in der Kunst

Die sogenannten Typ-F-Diabetiker sind Familienangehörige von Menschen mit Diabetes – so wie Anne Peter. Die junge Grafikerin aus Düsseldorf hat 2015 ihr Designstudium abgeschlossen. Als Masterarbeit entwarf sie ein Diabetes-Magazin, das „nicht an Apotheken-Heftchen erinnert“. Über dieses Projekt haben wir ihr gesprochen.

Frau Peter, wie kam es, dass Sie sich für Ihre Masterarbeit gerade ein Diabetes-Magazin zum Thema genommen haben?

Mein damaliger Freund und jetziger Mann ist Typ-1-Diabetiker, so kam ich mit der Erkrankung in Kontakt. Im Masterstudium sollten wir zwei Jahre lang ein Thema unserer Wahl wissenschaftlich erarbeiten. Ich fand es spannend, mich mit einer Fragestellung zu beschäftigen, die nicht aus dem Design-Kontext kommt, sondern aus einem ganz anderen Bereich. Anfangs habe ich mich mit Diabetes nur allgemein auseinandergesetzt. Erst im Laufe der Zeit wurde klar, dass ich ein Lifestyle-Magazin entwickeln würde.

Sie haben Ihre Zeitschrift Z-Magazin genannt, Z steht für Zucker. Was erwartet den Leser?

Das Z-Magazin hat mit den gängigen Diabetes-Zeitschriften nichts gemeinsam, es ist eher ein Kunst/Kultur/Lifestyle-Magazin. Das Heft berichtet über Themen wie die Zuckerskulptur aus nackten Männern im Club Berghain, über Insulin-Purging als diabetische Bulimie, über Tätowierungen bei Diabetes. Es interviewt Pärchen zu Diabetes in der Partnerschaft oder zeigt Nähanleitungen für Pen-Mäppchen. Klassische Information und Kulinarik gibt es natürlich auch.

Wie sind Ihre persönlichen Erfahrungen mit Diabetes in das Projekt eingeflossen?

Als Angehörige eines Diabetikers bin ich eine sogenannte Typ-F-Diabetikerin. Deshalb habe ich mir selbst einen Platz als Kolumnistin in meinem Magazin eingeräumt. Da es sich um ein sehr persönliches Projekt handelt, hätte ich es unauthentisch gefunden, es nicht um meine eigenen Erfahrungen zu bereichern.

Diabetes-Zeitschriften gibt es ja schon auf dem Markt. Was wollten Sie bei Ihrem Heft anders machen?

Ich wollte ein Magazin gestalten, das interessante Inhalte für junge Diabetiker liefert und zudem durch das Design überzeugt. Zum Thema Diabetes gab es damals 2014 nicht ein Medium, das mich oder meinen Mann angesprochen hätte. Fast alle Magazine erinnerten an Apotheken-Heftchen. Beim Lesen hatte man das Gefühl, um zwanzig Jahre zu altern. Außerdem standen immer die Worte Diabetes oder Insulin im Titel. Dadurch, dass Diabetes durch fehlendes Wissen oft mit einem schlechten Lebensstil in Verbindung gebracht wird, wurde man beim Lesen in der Öffentlichkeit von allen Seiten gemustert.

Wie kamen Sie an die Inhalte und Informationen?

Durch lange Recherchen, viele Kontakte und Interviews. Meine Texte habe ich alle selbst geschrieben, auch viele Fotos, die Illustrationen und Infografiken stammen aus meiner Feder.

Worauf kam es Ihnen bei der Gestaltung an?

Das Z-Magazin ist ein Magazin für junge Diabetiker und deren Familie und Freunde. Mit der illustrativen Gestaltung soll genau diese Zielgruppe angesprochen werden. Kein Artikel ist wie der andere entworfen, dennoch gibt es durch einen Colorcode einen roten Faden im Heft. Wichtig war mir, dass das Magazin nicht nur zielgruppen-orientiert gestaltet ist, sondern auch mich als Designerin reflektiert.

Wie stehen die Chancen, dass der Prototyp einmal auf den Markt kommt und wir das Magazin am Kiosk kaufen können?

Sag niemals nie. Wenn sich ein passender Verlag finden würde, wäre ich nach wie vor offen für eine Publikation.

 

 

 

 

Mehr Informationen zu Anne Peter und ihrem Z-Magazin finden Sie HIER.

Fotos: Anne Peter