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Kann eine Impfung Typ-1-Diabetes bremsen?

Typ-1-Diabetes heißt auch Jugenddiabetes, weil viele Patienten in jungen Jahren daran erkranken. Wissenschaftler in London forschen derzeit an einem Impfstoff, der die Krankheit nach ihrem Ausbruch bremsen oder sogar stoppen soll. Langfristiges Ziel ist es, so frühzeitig zu impfen, dass Patienten ohne Insulintherapie auskommen können.

Als Autoimmunerkrankung entsteht Typ-1-Diabetes durch eine verhängnisvolle Fehlfunktion des Körpers: Die Abwehrzellen des Immunsystems greifen die eigenen Inselzellen in der Bauchspeicheldrüse an und zerstören sie. Die lebenswichtigen Inselzellen produzieren Insulin. Ohne dieses Hormon kann der Stoffwechsel nicht funktionieren, deshalb müssen Typ-1-Diabetiker lebenslang künstliches Insulin spritzen.

Impfung mit Präinsulin-Peptid: Das Immunsystem umerziehen 

Jetzt forschen Londoner Wissenschaftler an einer Impfung, die den Angriff auf die Inselzellen stoppen soll. Sie kommt in Frage für Patienten, bei denen Typ-1-Diabetes frisch erkannt wurde und noch nicht alle insulinproduzierenden Inselzellen zerstört wurden. Der Wirkstoff soll das Immunsystem umerziehen und die überlebenden Zellen vor dem Untergang schützen. 

Als Impfstoff dient ein Präinsulin-Peptid, also eine Vorstufe des Hormons Insulin. Dieses wird den Patienten in regelmäßigen Abständen gespritzt. Dadurch soll sich das Immunsystem – ähnlich wie bei einer Hyposensibilisierung bei Allergien – wieder an Insulin gewöhnen und den Angriff auf die Inselzellen einstellen. Dadurch ließe sich das Fortschreiten des Diabetes stoppen oder zumindest bremsen.

Pilotstudie der britischen Forscher

Im August 2017 veröffentlichte das Institut für Immunbiologie am King’s College in London die Ergebnisse einer Pilotstudie mit knapp dreißig Testpersonen. Diese waren zu Studienbeginn neu an Typ-1-Diabetes erkrankt. Im Zeitraum von sechs Monaten erhielt ein Teil von ihnen Spritzen mit dem Impfstoff. Eine zweite Gruppe erhielt zum Vergleich Spritzen mit wirkungsloser Lösung, einem sogenannten Placebo. Ohne dass die Testpersonen wussten, welcher Gruppe sie angehörten, zeigte sich bei beiden Gruppen über zwölf Monate ein unterschiedliches Ergebnis. In der Placebo-Gruppe ließ sich durch die Spritzen das Fortschreiten des Diabetes nicht aufhalten. Bei den geimpften Testpersonen aber reagierte immerhin die Hälfte der Gruppe wie erhofft: ihr Insulinverbrauch stieg nicht an, die Zerstörung der Inselzellen konnte gestoppt werden. 

Nutzen für die Zukunft

Angesichts vieler ungelöster Fragen bedeutet die Londoner Studie mit Peptid-Impfungen noch keinen Durchbruch im Kampf gegen Typ-1-Diabetes. Bisher fehlen Langzeitergebnisse, und mit nur dreißig Testpersonen fällt die Aussagekraft der Pilotstudie gering aus. Trotzdem werten die Wissenschaftler das Studienergebnis als ermutigenden Schritt und setzen die Arbeit fort. Langfristiges Ziel ist es, bei mehr als nur der Hälfte der geimpften Diabetiker die körpereigenen Inselzellen zu retten. Und die Krankheit frühzeitiger zu erkennen und eher zu impfen: schon dann, wenn die Betroffenen noch so viele gesunde Inselzellen übrighaben, dass sie ohne Insulintherapie beschwerdefrei leben können.      

 

 

Foto: Pixabay / Whitesession