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Steinzeitmensch im Schlaraffenland

Ein Steinzeitmensch mit Gabel? Egal, auf die Tomate kommt es an!

Laut einem Bericht der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) waren im Jahr 2003 ungefähr 13 Prozent der erwachsenen Bundesbürger fettleibig. Zehn Jahre später waren es bereits 16 Prozent. Und heute? Die Tendenz ist weiterhin steigend: Die Deutschen werden immer runder. Und nicht nur die Deutschen: Schätzungen zufolge könnten im Jahr 2025 weltweit mehr als eine Milliarde Menschen fettleibig sein.

Nun könnte man ja sagen, dass man nicht schlank sein muss, um gut auszusehen. Das ist richtig. Und wegen ein bis zwei Kilo zu viel auf der Waage besteht auch aus medizinischer Sicht noch kein Grund, Alarm zu schlagen. Auch das stimmt. Ganz anders ist es aber bei starkem Übergewicht! Denn dieses fördert die Entwicklung von Bluthochdruck, Herz-Kreislauferkrankungen, von Typ-2-Diabetes und von bestimmten Krebsarten.

Wo liegt nun aber die Grenze vom Übergewicht zum starkem Übergewicht? Grob gesagt sprechen Mediziner ab einem Body-Mass-Index (BMI) von 25 von Übergewicht und ab einem Wert von 30 von Adipositas – also von Fettleibigkeit. Der BMI errechnet sich aus der einfachen Formel „Körpergewicht (in kg) geteilt durch das Quadrat der Körpergröße (in m)“. Ein Mann von 80 kg und 1,80 m Größe hat folglich einen BMI von 25 und befindet sich exakt an der Grenze zum Übergewicht. (Hinweis: Der BMI ist nur zur groben Einstufung von Übergewicht und Adipositas geeignet und kann die ärztliche Beurteilung, ab wann das individuelle Übergewicht gesundheitsgefährdend ist, natürlich nicht ersetzen).

Problem: Steinzeitmensch im Schlaraffenland

Nun aber zur entscheidenden Frage: Warum werden wir immer runder? Weil wir genetisch gesehen Steinzeitmenschen sind, die im Schlaraffenland leben (mit Aufzügen und Rolltreppen). Ja, der moderne Europäer mag Anzüge tragen und am Laptop arbeiten, aber genetisch unterscheidet er sich tatsächlich nicht von seinen Urahnen, die vor 15.000 Jahren lebten. Damals waren Nahrungsmittel noch nicht im Überfluss vorhanden. Nein, die Wildtiere mussten mühsam gejagt und die Beeren mühsam gesammelt werden. Kein Wunder also, dass der Körper des Steinzeitmenschen jede Gelegenheit nutzte, um Fettdepots für schlechtere Zeiten (z.B. harte Winter) anzulegen.

Genau das macht der Körper des Steinzeitmenschen – unser Körper! – auch heute noch so: Er hortet konsequent, was er nicht verbraucht, um für eventuelle Notzeiten gewappnet zu sein. Und weil der moderne (Büro-)Mensch im Alltag immer weniger Energie verbraucht und zugleich immer mehr Gelegenheiten zur schnellen Energieversorgung vorfindet, werden wir immer runder. Hier gibt es Sushi, dort Burger, hier Currywurst, dort Überbackenes. Alles hübsch präsentiert und auf die Hand serviert. Und wenn man zum Drive-in fährt, muss man zur Energieversorgung noch nicht mal das Auto verlassen…

Lösung: Etwas mehr Steinzeit in den Alltag

Nein, das wird jetzt kein Aufruf, wieder in Höhlen zu ziehen, auf die Jagd zu gehen und Beeren zu sammeln. Etwas mehr als bisher könnte sich der moderne (Büro-)Mensch vielleicht aber doch wieder auf seine Ursprünge besinnen – seiner Gesundheit zuliebe. Das ist auch gar nicht so schwer: Wer öfter mal zu Fuß zur Arbeit geht, die Existenz des Aufzugs ignoriert oder auch ganz bewusst Ausdauer- und Kraftsport betreibt, der tut etwas für seinen Energieumsatz und seinen Muskelaufbau. Und Muskeln fressen Fett, zumal sie selbst in Ruhe ordentlich Energie verbrauchen. Auch in Sachen Ernährung können wir uns vom Steinzeitmenschen noch etwas abgucken – zumindest teilweise (wer weiß schon so genau, was die damals alles gegessen haben?). Unzweifelhaft gab es vor 15.000 Jahren noch keine Dickmacher wie Weißbrot, Schokoladentorte oder Fertiggerichte wie Pizza. Dafür aber viel frischen Fisch, heimisches Gemüse und saisonales Obst. Diese Auswahl hört sich doch ganz so an, als entstamme sie einem modernen Ratgeber für gesunde Ernährung, oder?!


Foto: AntiMartina / shutterstock.com